Es ist ein Paradox: Eigentlich müsste es „KeinYogaStudio“ heißen. Denn für mich braucht es kein YogaStudio oder keine Yogaschule. Yoga ist da wo ich bin, wo meine Matte liegt – oder eben ein Teppich. Das ist bei mir zu Hause, im Urlaub, bei Freundinnen und Freunden, aber natürlich auch im Yogastudio. Yoga ist in der Küche, wenn ich koche oder im Bad meine Zähne putze. Yoga ist auf dem Schreibtischstuhl oder in der Straßenbahn. Yoga ist überall dort, wenn ich im Hier-Und-Jetzt ankomme. Das ist keine Floskel. Im HathaYoga heißt es: Yoga ist das zur Ruhe bringen der Wellen des Geistes. Yoga ist für mich Meditation, wenn mein Geist mal wieder dieselben Schleifen dreht und eine Art Ergotherapie wenn ich sie brauche. Im Alltag konzentriere ich mich auf meine Fersen, gebe Gewicht nach unten ab, atme tief ein, lasse meinen Bauch lose und bringe meine Wirbelsäule in ihre natürliche Stellung. Das heißt nicht, das ich meine Matte nicht bewusst ausrolle. Für mich ist es auch ein körperliches Training und trotzdem ist es anders als ins Fitnessstudio gehen. Ich bin bewusster in meinen Bewegungen und aufmerksamer, was der Körper braucht. Ich bin in meiner Ausbildung durch diverse Yogastile gegangen, letzlich bin ich im Hatha Yoga verortet, ich mag diese alte indische Lebensphilosophie und mache das, was mir guttut: Mediation, manchmal Pranayama (Atemtechnik) und YinYoga. Aber insbesondere ist mein Herz am Hatha-Ansatz Vanda Scaravellis hängengeblieben. Deshalb die drei Säulen im Logo. Im Sommer 2018 steiß ich durch Zufall in Frankreich auf Ananda Caballos. Ananda arbeitet nach Vandas Ansatz und lud mich in ihre Stunden ein. Diese Art zu trainieren überzeugten mich sofort. Es geht mir nicht mehr um perfekte Posen, es ist kein lineares hineingelangen, es ist kein drücken und schieben und zerren und ziehen. Es geht um Leichtigkeit. Es geht um Unbeschwertheit, um den Platz im eigenen Körper, Verbindungen, die wir schaffen können. So wie Ananda sich bewegen konnte, das hatte ich vorher noch nie bei Yogalehrer*innen gesehen. Aber es braucht Kraft. In Asanas loszulassen und sich zu entspannen braucht enorme Kraft. Denn die innere, feinere Muskulatur muss anfangen zu arbeiten und gestärkt werden. Wenn ich das Gewicht meines Oberkörpers an die Schwerkraft abgebe, in den Boden hineinfließen lasse, müssen tiefere Muskelschichten das Gewicht nach unten „transportieren“. Und das braucht nicht nur Kraft, sondern auch Konzentration. Deshalb lässt mich Scaravelli wie kein anderer Yogastil in der Gegenwart ankommen. Deshalb hat sie das HathaYoga revolutioniert. Weil sie nur mit einer Handvoll Schüler*innen arbeitete, ist sie dennoch fast gänzlich unbekannt. Ananda lernte von Diane Long, die erst von Vanda lernte und dann mit ihr den Ansatz weiterentwickelte. Ananda sagte oft:
“It’s a funny thing with gravity. It can have my heels – but it doesn’t get my spine. We want to be looooong, loooong and wide. Life is and comes from the feet. Don’t push, don’t pull. Breath! Open up your fingers and toes like a flower. Let go of the tense in the stomach. Now work with your body, not against it! Now there is beauty, now there is harmony.”
„Our arms are like wings. We have to learn how to use them. They become light, very light, when we are properly grounded, feeling gravity’s pull under our feet.“ Scaravelli 2012, 110
Weil ich immer von Vanda Scaravelli schwärme, wurden Freundinnen und Freunde neugierig und fragten nach einer Probestunde und weil viele wiederkommen wollten, begann ich im Januar 2020 meine Ausbildung zur Yogalehrerin und schloss sie im Oktober 2020 ab.